Rassebeschreibung ungeschönt!

In unserer Kategorie „Rassebeschreibungen ungeschönt“ möchte ich euch den Labrador Retriever vorstellen. Wichtig ist zu wissen, dass eine Rassebeschreibung ein von Menschen erdachtes Idealbild darstellt. Das heißt, dass nicht alle Rassehunde ihrer Rassebeschreibungen entsprechen. Jeder einzelne Hund ist ein absolutes Individuum. Außerdem solltet ihr wissen, dass manche Rasseeigenschaften auf dem Papier zwar ganz toll klingen, in der Realität aber je nach Lebenssituation des Hundes zu unerwünschten Verhaltensweisen führen könnten.

 

Die Beschreibung

Der Labrador Retriever ist eine von der FCI anerkannte britische Hunderasse (FCI-Gruppe 8, Sektion 1, Standard Nr. 122) . Namensgebend für den Labrador Retriever ist die Halbinsel Labrador und seine Vorfahren stammen von der kanadischen Ostküste (siehe Wikipedia). Der "echte" Labrador wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts in England gezüchtet. Der speziell auf die Arbeit für den Schuss danach gezüchtete Jagdhund mit der großen Apportier- und Wasserfreude, soll geschossenes Wild (Fasane, Enten, Hase, etc.pp. apportieren). Die Bezeichnung „Retriever“ stammt aus dem Englischen und leitet sich von "to retrieve" ab, was bedeutet: "zurückbringen".

Sein Erscheinungsbild

Laut der Rassebeschreibung ist der Labrador ein mittelgroßer und kräftig gebauter Hund mit einem breiteren Schädel und deutlichem Stop. Rassetypisch ist die sogenannte "Otterrute", die sehr dick am Ansatz und mit dickem Fell bedeckt sein soll. Das Haarkleid des Labradors soll mit guter Unterwolle sein, außerdem soll er kurze,dichte und harte Haare haben und es sollte nicht wellig oder bauschig sein. Mittlerweile unterscheidet man zwischen der Showlinie und der Arbeitslinie. Die Showlinie verkommt leider oft zu einem extrem schwerfälligen und zu großzügig gefüttertem Hund, während die Arbeitslinie oft zu schmal vom Gebäude wird und manche mehr windhundartig wirken. Beide Extreme sollten so nicht sein und werden im Rassestandard so auch nicht beschrieben.

Seine Farben

Der Labrador ist mittlerweile in drei Farben anerkannt. Die ursprüngliche Fellfarbe des Labradors war zunächst schwarz. Durch die Farbe gelb, die nur rezessiv vererbt wird, wurden später die gelben Labradors neben schwarz anerkannt. Erst 1899 wurden die gelben Labradore nicht mehr als Fehlzüchtung angesehen. Der erste braune Labrador wurde im Jahr 1964 anerkannt.

 

Gesundheit und Krankheiten

Zuchtziel sollte sein, erbliche Defekte und Krankheiten zu vermeiden und zu bekämpfen durch Selektion. Verbreitet beim Labrador sind erblich bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED) und Osteochondrosis (OCD), um nur ein paar wenige zu nennen. Auch Augenkrankheiten wie prcd-PRA oder Katarakt können beim Labrador vorkommen. Leider gibt es auch immer wieder Labradore die an Epilepsie leiden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Gentests, anhand derer man etliche Erkrankungen ausschließen kann. Ziel dieser Gentest soll sein, kranke Hunde vermeiden, jedoch nicht Trägerhunde von der Zucht auszuschließen. Je mehr man über eine Verpaarung weiß, umso mehr erblich bedingte Krankheiten kann man ausschließen. Leider ist Zucht an Ende nicht ganz so einfach. Nur weil die Elterntiere gesund sind, heißt es noch nicht, dass auch die Nachkommen es sein werden. Um eine großes Band an Gesundheitsergebnissen zu erzielen, sind Züchter auch auf ihre Welpenkäufer ein Stück weit angewiesen.

Sein Wesen

Wenn man die Rassebeschreibung über das Wesen des Labradors liest, dann liest man Folgendes: "Das Wesen eines Labradors sollte gutmütig und wesensstark sein. Er sollte sich in der Gegenwart von Menschen wohl fühlen und keine Angst, Unsicherheit oder Aggression gegenüber Menschen und anderen Tieren zeigen. Der Wille, mit seinem Menschen zusammen zu arbeiten, sollte beim Labrador sehr ausgeprägt sein."
Die eierlegende Wollmilchsau sozusagen. Begutachtet man jedoch die unterschiedlichen Varianten der Hunde, so findet man bei der Showlinie sicherlich vermehrt die gutmütigen und wesensstarken Hunde, die mit einer unsagbaren Gelassenheit durchs Leben schreiten, jeden Garten in der Nachbarschaft in- und auswendig kennen, alle Menschen ihre Freunde nennen, im Gegenzug dazu aber von dem viel angepriesenen "will to please" nicht allzu viel halten und man als Besitzer eines solchen Hundes, sicherlich über das ein oder andere lächelnd hinwegsehen können muss. "In der Ruhe liegt die Kraft" ist meist eher das Motto der Showlinie. Im Gegenzug hierzu die Arbeitslinie, mit einem meist sehr ausgeprägten "will to please". Sie ist in der Regel oft deutlich leichter und schneller zu erziehen, da sie schneller zu motivieren und ausdauernder ist. Hier findet man jedoch auch öfters Vertreter, die etwas unsicherer durchs Leben gehen. Manche finden nur "ihren" Menschen spitze und Fremde brauchen sie eigentlich gar nicht. Es gibt auch die jenigen, die Haus und Hof oder auch das Auto laut bellend verteidigen, nur weil sich ein Fremder nähert. Eigenschaften, die man doch eher bei einem Deutschen Schäferhund oder dergleichen suchen würde.
Oft hört man, dass man darüber ja ganz dankbar wäre, weil man entweder nicht will, dass die Hunde zu allen hingehen oder man doch ganz froh ist, weil man einsam und verlassen wohnt. In beiden Fällen, sowohl bei der Showlinie als auch bei der Arbeitslinie, sind jetzt die Extreme beschrieben, aber auch diese gibt es in der Rasse Labrador Retriever und darauf sollte man vorbereitet sein. Es ist eben auch möglich, dass man egal, aus welcher Linie, eben auch ein solches Exemplar erwischen kann. Genau so vielfältig wie ihre Verwendung mittlerweile ist – ob als Familienhund, Begleithund, Therapiehund, Rettungshund, Jagdhund, Drogenspürhund, Sporthund, etc., so vielfältig kann auch ihr äusseres Erscheinungsbild und ihre Charaktereigenschaften sein.

Leidenschaft Apportieren

Der Retriever ist ein Apportierhund, der neben seiner Liebe zum Wasser auch ein sogenanntes "weiches" Maul haben soll. Das bedeutet, dass er auf der Jagd geschossenes Wild ohne weitere Verletzungen oder gar zu schütteln in die Hand apportieren soll. Da diesen Hunden das Tragen/Apportieren in die Wiege gelegt wurde, tragen sie schon als Welpe ihre "Beute" umher. Das heißt aber auch, einem Labrador ist es piep egal, ob es der Schuh, die die Socken, die Jacke oder der Ball ist. Hauptsache, etwas im Maul haben! Bezüglich der Abgabe, so sollte es seinem Menschen klar sein, dass es niemals selbstverständlich ist, das der Labrador seine "Beute" mit ihm teilen möchte. Das bedeutet,dass das Tragen, für den Retriever oftmals Selbstbelohnung ist, die Abgabe nicht zwingend. Wer also nicht möchte, dass sein Retriever mit allem, was er so findet, durch das Haus läuft, muss entweder wichtige Gegenstände verräumen oder dem Labrador genügend andere Apportiergegenstände zur Verfügung stellen. Aber auch selbst einem Retriever kann man das Apportieren vermiesen, wenn man am Anfang anstatt zu loben und ein "Tauschgeschäft" einzugehen, mit Strafe dem Herumtragen von Gegenständen entgegenwirken möchte.

 

Fazit

Auch eine wenig aktive Familie, die nicht zur Jagd geht oder in der Dummyarbeit ihre Leidenschaft gefunden hat, kann mit einem Labrador aus der Arbeitslinie absolut glücklich werden. Beschäftigt werden will ohnehin jeder Labrador. Die Kunst ist es, dieses Allroundtalent artgerecht auszulasten, aber niemals zu überfordern. Auch wenn man es gerne hätte: Eine eierlegende Wollmilchsau ist auch der Labrador nicht. Aber dennoch geht meine persönliche Liebeserklärung an den Labrador Retriever. Er ist meiner Meinung nach einer der vielfältigsten Hunderassen mit mehr Vorteilen als Nachteilen. Und wenn er mal wieder Blödsinn gemacht hat und z.B. den Mülleimer leer geräumt hat, kann man trotzdem noch sagen: "Dafür ist er Bildschön!"

 

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